Charakterschuh mit Luftpolster: Wie der Nike Air Max den Sneakermarkt auf den Kopf stellte.

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Am 26. März 1987 begann eine Revolution, die den Sneaker-Markt für immer verändern würde. An dem Tag erschien der „Nike Air Max One“, einer der einflussreichsten, berühmtesten und auch kontroversesten Sneaker aller Zeiten. Pünktlich zum 32. Air Max Day werfen wir einen genaueren Blick auf den Nike Air Max und seine Geschichte.

Bekannt ist der Air Max vor allem für seine sichtbaren Luftpolster in der Sohle, die ihn unverkennbar machen. Es heißt oft, beim guten Jazz würde man auch die Noten hören, die man nicht spielt. Analog könnte man vielleicht sagen: Die Teile der Sohle, die Nike beim Air Max weglässt, machen den Schuh erst zum dem, was er ist.

Hinter dem Air Max One steckte Tinker Hatfield, der legendäre Kopf hinter vielen ikonischen Nike-Modellen. Hatfield ist studierter Architekt. Das merkt man nicht nur daran, dass er seine Sneaker immer auch vom Material, nicht nur vom Visuellen angeht. Hatfield zieht seine Inspiration auch direkt aus Gebäuden. Für den Air Max stand das Centre Pompidou Pate, ein Gebäudekomplex in Paris, bekannt für seine dekonstruktive Architektur, die das Innere und die Funktionsweise des Gebäudes sichtbar macht.

„Air“ in die Sohle

Der Air Max war ein ernsthafter Running Shoe. Die Luftpolster in der Sohle sollten für bessere Federung und Schonung der Gelenke sorgen. Das Konzept war nicht komplett neu: Im Jahr 1977 präsentierte der Luftfahrtingenieur Frank Rudy die Idee, die Sohle von Nike-Schuhen mit Luft zu dämpfen.

Der Legende nach ging Nike-Chef Phil Knight mit den Testschuhen joggen und wollte danach nie wieder eine andere Sohle benutzen. Der Air Max One erhöhte das Luftvolumen dramatisch und zeigte es als erster Schuh auch noch stolz her. Tinker stellte den Sneaker-Markt damit wortwörtlich auf den Kopf: Er dachte den Schuh von der Sohle her.

Der Air Max verbreitete sich auch außerhalb der Running-Szene wie ein Lauffeuer. Die frühen HipHop-Artists nahmen ihn genauso auf wie die Raver, vor allem in der Gabber-Szene. Noch heute sind HipHop-Lyrics voll von Referenzen auf den Schuh, vor allem auf seine 95er-Version. „I kill you if try me for my Air Max 95s“, rappt The Game in „Hate it or love it“ programmatisch.

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Viele kleine Schritte

Die Nachfolger des Air Max One behielten die charakteristischen Merkmale, drehten aber an kleinen Schrauben und setzten so ihre eigenen Akzente. Der Air Max 90 erhöhte das Luftvolumen sogar noch einmal, der Air Max 93 zog die Polster in einer Linie um die Ferse herum.

Die Inspiration dafür kam auch hier aus einer ungewöhnliche Ecke: von Plastikbehältern für Milch, zumindest erzählen die Designer des Schuhs das heute noch gerne. Der Air Max 97 war dann der erste Sneaker in der Reihe, der die Polster bis in den Vorderschuh zog. Und so weiter und so fort.

Die Nike Air Units sind High Tech und werden bis heute an zwei Standorten hergestellt: nahe der Zentrale in Beaverton, Oregon, und in St. Charles, Missouri. Und die Innovationen hören nicht auf. Manche sind sichtbar, andere nicht: Seit 2006 pumpt Nike aus Umweltschutzgründen Nitrogen in seine Sohlen.

Präsenter Charakterschuh

Im Jahr 2017 feierte der Air Max seinen 30. Geburtstag mit vielen neuen Modellen und Re-Releases. Das sorgte für eine kleine Renaissance des Air Max, insbesondere der 97er. Dieser Schuh ist gerade überall präsent, durch Modelle wie dem Air Max 97 Sean Wotherspoon, aber auch durch Rapper wie der 187 Straßenbande oder Raf Camora, die ihn immer wieder offensiv zur Schau stellen.

Bis heute wird der Air Max aber auch kontrovers diskutiert. Nicht allen gefällt seine Silhouette, er ist ein Charakterschuh. Seine frühen Gegnern sollen angeblich sogar bei Nike selbst gesessen haben: Man befürchtete, die Luftpolstersohle könnte häufiger kaputt gehen und hohe Zahlen an Reklamationen nach sich ziehen.

Zum Glück hörte Nike nicht auf die Bedenken. Revolutionen brauchen manchmal eben ein bisschen Mut.

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