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Manche Dinge liebt man. Manche hasst man. Und manche lernt man erst lieben – obwohl man sie erst nicht ausstehen konnte. Paradebeispiel für einen solchen Wandel der Gefühle: Ugly Sneaker. Kaum ein Fashion-Trend hat in den letzten Saisons so stark polarisiert.

Als der Designer Demna Gvasalia für Balenciaga vergangenes Jahr seinen Triple S Sneaker über den Laufsteg schickte war klar: love it or leave it. Fashion-Influencer stürzten sich begeistert auf die wulstigen Sohlen mit Retro-Flair, für viele andere war der ungewöhnliche Sneaker-Style im wahrsten Sinne des Wortes nur eines: ugly.

Ugly Sneaker: Klotz am Bein oder Hypertrend?

„Er sieht aus, als sei man mit einem potthässlichen Turnschuh in einen zweiten potthässlichen Turnschuh reingetreten, und dann noch mal in einen dritten“, beschrieb die SZ den Turnschuh. Ergebnis solcher Reaktionen: Die Begriffe Ugly Sneaker, Chunky Sneaker, Dad Sneaker, Nerd Sneaker waren etabliert.

Viele Namen, die alle das Gleiche beschreiben: Sneaker mit klobigen Formen, ausgeprägten, oft bunten oder futuristischen Sohlen, Materialmix und sportlichen Details wie knallige Nähte, Schnürsenkel oder Straps.

Saucony Originals Sneakers chunky

Ganz neu ist der Trend aber gar nicht. Turnschuhe im „Ugly-Style“ dürften bei vielen ein 90er Jahre-Déjà-vu hervorrufen. Ist also Nostalgie der Grund für den Hype um Chunky Sneaker? Oder steckt mehr hinter dem radikalen Abschied von Minimalismus und Gefälligkeit?

Chunky Sneaker: Tschüss elaborierte Eleganz

Eine Antwort auf diese Fragen hat die Stilikone Victoria Beckham. Früher sagte sie: „Ich kann mich in flachen Schuhen nicht konzentrieren.“ Damit brachte sie das damalige Verständnis von Stil auf den Punkt. Sneaker? Galten als uncool, unsexy, unfashionable.

Dass die Queen of Heels kürzlich ihre erfolgreiche Victoria Beckham x Reebok Sportkollektion gelauncht hat, revidiert nun nicht nur ihr Statement, es zeigt auch, wie sehr sich die Akzeptanz von Sneakern in der Modebranche festgebissen hat. Nachdem weiße Sneaker in den letzten Jahren den Weg von hohen Absätzen und schicken Loafers zu bequemem Schuhwerk – ja, auch zu besonderen Anlässen – geebnet hatten, wurden Designer mutiger.

Nun lassen sie sich nicht nur von den ersten Laufschuh-Modellen der Big Player im Sportbusiness inspirieren, sondern treiben den Sportschuh-Trend zum Teil sogar bis an die Spitze des – ohne Risiko – Tragbaren. Tschüss, Stan Smith‘s: Sneaker sind jetzt bunt, groß, laut, krass.

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Retro-Lust: Die 90er werden neu aufgelegt

Aber wie entwickelt sich ein Schuhtrend, den viele als Unfall zwischen LKW-Reifen und Retro-Wahn betrachten? Nostalgie ist gewiss einer der Bewegungsgründe dafür, dass High-Fashion-Labels wie Balenciaga, Prada oder Acne in „hässlichen Sportschuhen“ plötzlich etwas Schönes gesehen haben, dicht gefolgt von Sportgiganten wie adidas, Nike, Reebok oder Fast-Fashion-Ketten wie Zara, Mango und H&M.

Die Lust auf die 90er Jahre schlägt sich auch in der Sportswear nieder, wie etwa in der The North Face Rage Kollektion oder der Reebok x Gigi Hadid Kollaboration. Eltern schütteln beim Anblick dieser Pieces nur schmunzelnd Kopf, dabei sind sie sogar oft die Inspiration. Vor etwa einem Jahr tauchte plötzlich der Dad Sneaker in der Fashionszene auf.

Bequeme, funktionelle Turnschuhe im 80er und 90er Jahre-Stil, die bevorzugt von Herren über 50 getragen wurden. New Balance 990 waren plötzlich in und geboren war die Lust auf Hässlichkeit.

Sneakertrends Athleisure Gigi Hadid Reebok Aztrek Double Sneaker

Athleisure: Sportklamotten sind alltagstauglich

Ein weiterer Grund für den Chunky-Hype kommt aus der Textilszene. Der Trend „Athleisure“ machte Sportbekleidung alltagstauglich. Was bisher nur im Fitnessstudio getragen wurde, eroberte Runways und Fashion Crowds.

Und wer ohnehin schon Jogginghosen zum Blazer oder Logoshirts zum Maxikleid trägt, dem kommen die neuen Chunky Sneaker gerade Recht. Schließlich schaffen sie den Spagat zwischen Sport und Fashion wie kein anderes Schuhwerk.

Normcore: In ist, nicht besonders zu sein

Der dritte und vielleicht wichtigste Grund für den Chunky oder Ugly Sneaker-Trend ist politisch: Der Trend zur Anti-Fashion aka. „Normcore“. Der Versuch, nicht besonders zu sein. Trends wie Birkenstock-Schlappen, Einkaufsnetze aus Strick oder Fischerhüte ebnen den Weg.

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Gartenschlappen von Crocs werden durch eine Kollaboration mit dem britischen Designer Christopher Kane plötzlich in, Balenciaga bringt Designer-Bags im IKEA-Tüten-Look für mehrere Tausend Euro heraus und Vêtements machte knallgelbe Postboten-T-Shirts mit rotem DHL-Logo plötzlich fashionable.

Grund für das plötzliche Einbinden von Gewöhnlichem, Banalem, Hässlichem: die vom Mangel geprägte Mode der Ostblockjugend. Der Trend zu Anti-Fashion ist also Provokation und Protest, aber auch Solidarität mit weniger privilegierten Menschen.

Style-Guide: So trägt man Chunky Sneaker

2018 noch suspekt auf Abstand gehalten, sind Chunky Sneaker jetzt das Must-Have des Jahres: Wir lieben es klobig, wulstig, bunt! Ein Blick in die Streetstyle-Galerien der letzten Fashion Shows beweist zudem: Ugly Sneaker lassen sich ebenso vielfältig stylen, wie es mittlerweile Modelle gibt.

Sneakertrends so trägt man chunky Sneaker PUMA CELL Endura

Ein Einsteiger-Style für Chunky-Newbies: Zu Jeans, Tennissocken, Blouson tragen. Fortgeschrittene stylen ihre Chunky Sneaker konsequent ugly zu Trackpants und Windbreakern. Wer es trotz aller Hässlichkeit dennoch glamourös möchte: Modelle wie die „Run Loubi Run“-Kollektion von Christian Louboutin mit Knallfarben, Glitzerkristallen und Nieten harmonieren hervorragend zu schwarzen Leder-Tights, femininen Volants-Röcken oder langen Seidenkleidern.

Fürs Büro eignen sich besser Ton-in-Ton Modelle mit etwas weniger Schnickschnack, so etwa der „Disruptor“ von Fila. Der Unisex-Schuh macht auch zu Anzug und Hemd eine gute Figur. Wir sind gespannt, wie die Geschichte der Chunky Sneaker weiter geht. Sehr viel extremer kann es kaum mehr werden und das nutzen wir jetzt aus. Denn wir sind der Meinung: Ein bisschen Ecken und Kanten haben noch keinem Look geschadet.