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In unserer Serie „Hausbesuch“ besuchen wir Sneakerheads und reden mit ihnen über ihre Sammlung und Leidenschaft. Den Anfang macht Philipp Orel. Der 25-jährige Student wohnt in Wien und hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Er ist Teil der Crew von „What’s On My Feet Today?“ („WOMFT?“), bei der er die Social-Media-Kanäle verwaltet. In Philipps Wohnung stapeln sich die Schuhkartons. Während des Gesprächs zieht er immer wieder einzelne heraus, um ihre Geschichte zu erzählen.

Wann hast du angefangen, dich ernsthaft für Sneaker zu begeistern?

Richtig begonnen hat es 2013 mit den ersten Campouts. Ich habe mich immer schon für Mode begeistert, aber eher auf dem „Was gibt aktuell Neues?“-Level. Auf einer Reise in den USA habe ich mitbekommen, wie vielseitig die Sneaker-Szene ist, und mich dann darauf  konzentriert.

Meine damalige Freundin war auch in der Wiener Sneaker-Szene aktiv. Ein Grund mehr 😉 Ich bin dann so richtig reingekippt, bin auch Teil von WOMFT? geworden und baue seit damals die Social-Media-Kanäle von WOMFT? auf.  Für mich ist es mittlerweile zum Lifestyle geworden.

Wie viele Schuhe besitzt Du?

Bei 100 Paaren habe ich aufgehört zu zählen, aber um die 150 werden es schon sein. Es ist aber eine gewisse Fluktuation dabei: Manche gebe ich ab, es kommen aber auch immer welche dazu.

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Wie oft kaufst du dir neue Schuhe?

Ich führe kein Buch, aber als ich 2017 in Amsterdam gelebt habe, bin ich nach 22 Wochen mit 25 neuen Paaren zurückgekommen. Also ein Paar die Woche ist es sicher im Schnitt. Davon sind aber natürlich einige aus Kooperationen mit Brands und daher gesponsert.

Was ist das teuerste Paar, das du besitzt?

Am meisten ausgegeben habe ich für eine New Balance x Solebox-Collabo, so circa aus dem Jahr 2009. Der hat 500 Euro gekostet, das ist für mich die magische Grenze.

Meine ersten Lacoste-Schuhe für 120 Euro habe ich damals in der Schule noch vor meinen Eltern versteckt, das kam mir unheimlich viel vor. Heute ist das natürlich normal. Heute habe ich durch meine Jobs mehr Möglichkeiten auch mal ein teureres Paar zu kaufen. Das ist für mich dann aber trotzdem noch etwas Besonderes.

Würdest Du alle deine Schuhe auch anziehen?

Auf jeden Fall, Schuhe sind zum Tragen da. Ich habe allerdings mittlerweile so viele, dass ich bei manchen Paaren noch nicht zum Tragen gekommen bin. Aber grundsätzlich würde ich alle meine Schuhe auch anziehen, die sehr kostbaren vielleicht nicht bei schlechtem Wetter.

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Du bist sehr groß, welche Schuhgröße hast Du? Ist es mit großen Füßen manchmal schwerer bei der Sneaker-Suche?

Zum Glück „nur“ 46, das geht gerade noch. Bei Nike ist das die US 12. Da gibt es die Schuhe, die mich interessieren, eigentlich alle noch. Darüber wird es kompliziert.

Hast du eine Markenpräferenz?

Nike ist bei mir Nummer 1, das sieht man ja auch an meiner Sammlung. ASICS mag ich auch sehr gerne, den Gel Lyte 3 habe ich in wahrscheinlich 20 verschiedenen Farben. Ich feiere auch ausgefallene Sachen wie den Reebok Instapump.

Aber ein Klassiker wie der Air Force 1 Low ist mein Lieblings-Sneaker. Ein stabiler Schuh, der mich durch den Tag bringt. Mein Geschmack ändert sich auch immer wieder. Ich bin jetzt gerade auf die 1er-Jordans aufgesprungen. Früher haben mich High Tops eigentlich null interessiert.

Hat sich dein Kaufverhalten verändert?

Ja, ich häng da ja mittlerweile komplett drinnen. Man kauft sich irgendwann nicht mehr den Schuh, den jeder hat, sondern will ein bisschen mehr Geschichte dahinter haben, achtet mehr auf Qualität. Natürlich sind auch limitierte Stückzahlen ein Thema. Ich springe aber nicht so auf die Hype-Sachen auf.

Ich kauf mir keinen Schuh nur weil es ihn 200 Mal gibt. Aber wenn er mir gefällt und er limitiert ist, dann freut mich das natürlich. Wenn ich einen besonderen Schuh habe und jemand anderer erkennt ihn, dann ist das Balsam für die Seele. Das ist bei jedem Sammler so, egal ob Schuhe, Vinyl oder Autos.

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An welchen Kauf wirst Du dich immer erinnern?

Ich hab ja schon erwähnt, dass der Air Force 1 mein Lieblingsschuh ist. Während ich in Amsterdam gewohnt habe, habe ich mal eine Freund in Berlin besucht. Ich war dann in „Paul’s Boutique“, einem der berühmtesten Second-Hand-Läden.

Ich steh also dort in dem Schuhcorner und zieh durch Zufall als erstes einen Air Force 1, Holland Edition, in meiner Größe raus. Das war kurz vorm King’s Day, wo sich in Amsterdam alle orange anziehen. Für 50 Euro geschossen. Das war irre.

Hast Du einen „Heiligen Gral“, der dir noch fehlt?

Der Nike Air Max 1 von Patta in Burgundy. Ich kenn auch jemanden, der ihn in meiner Größe hat, aber der würde ihn nur für 3500 Euro abgeben. In dieser Liga spiel ich nicht, das würde ich mir auch nicht leisten wollen.

Hast Du einen Tipp für Leute, die mit dem Sammeln anfangen wollen?

Meine Tipp ist: Man sollte das kaufen, was einem gefällt. Es bringt wenig, sich nur von limitierten Stückzahlen oder einem möglichen Reseller-Wert treiben zu lassen.

Ich merk schon, dass die ganz jungen Leute sich sehr stark von den sozialen Medien und Influencern beeinflussen lassen. Da frag ich mich schon: Kennen die ihren eigenen Geschmack? Ich würde keinen Schuh kaufen, der mir nicht taugt.